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IM enttarnt

IM enttarnt

Wir wohnen jetzt romantisch. Wenn ich vom Schreibtisch aus dem Fenster schaue, sieht es aus als würde ich knapp unter den Klippen einer roten Steilküste leben, wie in einem von diesen Rosamunde-Pilcher-Filmen. Die dazugehörige Brandung ist jedoch keineswegs kein Meeresrauschen sondern, sozusagen ersatzweise, der von den Felsen zurück geworfene Lärmpegel der Zufahrtsstraße. Wenn ich das Femnster zur Felsenterasse öffne, klingt es aber ganz ähnlich.
Wenn man keine Nachbarn und - so als Bergwanderer, -prediger bzw. -kletterer - oder eben als Katze überhaushohe Felsen mag, ist das wirklich eine Art Paradies.
Die Katze hat sich auch schon daran gewöhnt. Ich weiß war nicht, wie sie vom zweiten Stock auf Level Zero kommt – ich favorisiere die „Baum-Sprung-Variante“, während andere glauben, sie klettere die Felsen herunter, sofern man kontrolliertes Sich-Fallen-lassen noch als Klettern bezeichnen kann. Grundsätzlich bringt die Katze auch mal ein paar Tiere mit, z.B. Mäuse zum Spielen. Und obwohl man nicht „mit dem Essen spielt“, ist das Schicksal der armen Kerle dann wohl besiegelt: sie sterben entweder an Herzinfarkt weil Pupsi (so heißt die Katze) Gladiator spielt oder sie werden gefressen.
Neben Sandstein und der einen oder anderen tragenden Fachwerk-Konstruktion haben zwei unserer Räume, Diele und Schlafzimmer, außerdem eine Holzdecke. Schon kurz nach unserem Einzug trampelte es da oben im Schlafzimmer gewaltig. Ich meine nicht diese leise Trippel-trippel wenn eine Maus mal eben über die Zwischendecke huscht sondern eher so ein Trapp-trapp, wie von einem hm Siebenschläfer oder so. Obwohl in unserem Felsenkeller gelegentlich eine Ratte um die Ecke huscht und in der Toilette der oberen, leerstehenden Wohnung kürzlich eine gefunden wurde – jämmerlich ersoffen in der Toilette – so nach dem Motto „Deckel zu, Ratte tot“ – hatte ich die eher nicht in verdacht. Ratten klingen irgendwie anders, das ist eher so ein Trapp-trapp-schleif-Geräusch. Auf jeden Fall war es etwas Größeres, was sollte sonst die ganz offensichtliche Ausbeulung in der Holzdecke erklären. Da ich weder besonders ängstlich noch viel zu Hause bin, dachte ich nicht weiter nach und nachts schlafe ich – dachte ich. Bis auf die letzten zwei Tage, in denen ich genau genommen überhaupt nicht schlafen konnte.
Ich wache also in der Nacht bzw. früh am morgen – das ist eine Frage der Eulen-oder-Lerchen-Perspektive von einem Geräusch auf. Von einem Trapp-trapp. Das Trapp-trapp kam allerdings nicht von oben, also von da, wo ich es in gewissem Sinne gewohnt war, sondern von unten oder von hinterm Schrank. Es klang auch überhaupt nicht so wie ein Trapp-trapp, sondern mehr wie eine Katze, z.B. meine Pupsi, die gerade mit mega-schlechtem Gewissen versucht, zu verbergen, dass sie unters Bett gepinkelt hat. Was auf Laminat ja nicht wirklich zu verbergen wäre, aber eben auch so ein kratzendes Geräusch verursacht, wenn der nicht vorhandene Sand das Übel überdecken soll. Ich also unters Bett geschaut - keine Katze. Also raus, Katze suchen – Katze nicht da. Ich wieder rein: Katze liegt im Bett. So groß ist sie ja nicht, man kann ja mal was übersehen. Aber was trampelt denn da nun übers Laminat? Mäuse im Kabelkanal? Nachdem irgendein größenwahnsinniger örtlicher Kleinunternehmer das Haus früher als Büro benutzte und ungefähr 65 Netzwerksteckdosen mit dazugehörigem Kanal darin verteilt hat, ist der Gedanke so abwegig nicht. Aber der Kanal liegt nicht auf, sondern ein paar Zentimeter über dem Laminat. Und das Geräusch ist jetzt ganz deutlich. In der Ecke, da wo kein Schrank mehr ist. Und jetzt sehe ich ihn: er läuft direkt unter dem Kabelkanal an der Wand entlang und sein Trapp-trapp klingt schon fast etwas verzweifelt.
Heute Nacht um 3:45 Uhr habe ich den Übeltäter enttarnt, gefangen genommen und freigelassen: Zum Glück haben wir keine Nachbarn, sonst hätte es noch Gerede darüber gegeben, was ich da wohl nachts, eingewickelt in mein Schlaftuch und meinen Morgenmantel, in die Hecken neben dem Sachsengrab bringe. Er ist - zu groß für eine Maus und, doch irgendwie zum Glück, zu langsam für eine Ratte – ein Maulwurf. IM Maulwurf hatte sich in unsere Schlafzimmer eingeschlichen. Zum Glück für ihn – aber doch irgendwie verwunderlich: die Katze hatte ihn nicht angegriffen. Sie hat es nicht einmal versucht. Sie lag einfach nur auf dem Bett und hat ihn beobachtet. Was ein wenig verwunderlich ist für eine Katze, die sonst auf alles springt, was sich bewegt und mich schon morgens ins Bein beißt, wenn ich nur mit der Wimper zucke….
Und während ich noch kurz darüber nachdenke, ob das wohl die Wärme war, die den amen Kerl angelockt hat, fällt mein Blick auf den Weberknecht an der Wand…. Aber auch der ist schon wieder verschwunden.

20.10.09 15:12

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