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[2006.04] Dart goes Germany - Munich Open 2006 – Meet the Power

[ Veranstaltungsbericht für ein Online-Portal - gern geklaut ]

Eine schnelle Geburt
In nur wenigen Wochen - vielleicht irgendwann in der Zeit nach den erfolgreichen Exhibitions von Wayne Mardle in Essen und Rodgau - reifte in drei Männern eine Idee. Ein hochkarätiges Dart-Turnier auszurichten, mit den, nein, mit dem Besten, Phil „The Power“ Taylor. Nicht in England, Belgien oder den Niederlanden, nicht dort, wo Steeldart schon eine Breite erreicht hat, die ihresgleichen sucht. Sondern in Deutschland, in München, dort, wo der internationale Dartsport noch in den Kinderschuhen steckt. 

Blut und Wasser
… schwitzen Werner von Moltke, Elmar Paulke und Gordon Schumway: Noch reichlich 48 Stunden vor Beginn der ersten „englischen“ Dartveranstaltung in Deutschland erreicht die Organisatoren eine niederschmetternde Nachricht: Phil Taylor wird – vielleicht - nicht kommen. Ernsthafte familiäre Sorgen zwingen ihn, sein Kommen in Frage zu stellen. Wird nun die Arbeit der Organisatoren und Helfer umsonst gewesen sein? Kann Adrian Lewis, „Ziehsohn“ Phil Taylors, Protege wie einst Taylor bei Eric Briscow, „The-Power“ würdig vertreten? Nach einer langen, schlaflosen Nacht trifft Werner von Moltke eine Entscheidung: Die Munich Steeldart Open finden trotzdem statt. Was aber wird er tun, um die 1200 Gäste und Turnierspieler der ausverkauften Veranstaltung nicht zu enttäuschen?

Der Tag geht, „The Power“ kommt
Seppi, „Neumüncher“, Steeldarter, Stammgast der Insider-Kneipe Phytons am Kapuzinerplatz, hat wohl – im Gegensatz zu Veranstaltern und Organisatoren, die letzten acht Wochen verschlafen: Während die Dartszene von nicht anderem als von diesem Event sprach, müsste der zufällig in eines der Warm-Up-Turnier hereinstolpernde Seppi erst noch vom deutschen Rekordnationalspieler Andy Kröckel überzeugt werden, dass das wirklich ist, was auf der postkartengroßen Eintrittskarte steht. München, 15, April 2006. The-Power kommt. Das Andy dabei – ohne überhaupt nur eine Ahnung zu haben von dem, was sich hinter den Kulissen abspielte – dennoch kein „Dartmärchen“ erzählte, lässt in diesem Moment an einem anderen Ort im Herzen Münchens die Organisatoren der Munich Steeldart Open 2006 endlich aufatmen:

Denn an eben diesem Abend endlich kam der erlösende Anruf: Phil Taylors Tochter, bei der man eine Hirnhautentzündung vermutete, geht es wieder besser. Der Verdacht hat sich nicht bestätigt und Phil wird noch am Abend in den Flieger steigen. Die Organisatoren atmen auf: der – wie Gordon später resümierte – „schmale Grat zwischen Superhero und *** der Nation“ war noch einmal überwunden: Die Spiele konnten beginnen.

12 Uhr Mittags
Mehr tausend Gäste, Spieler und Schreiber drängen sich seit 11 Uhr am Eingang der Tonhalle in Münchens „Kultfabrik“ am Ostbahnhof Viele, die keine Karte mehr bekamen, versuchen es dennoch – erfolglos - an der Tageskasse. Nicht alle hatte dabei soviel Glück wie unser „ungläubiger Seppi“, dem, damit er das Unglaubliche erleben kann, eine zufällig überzählige Karte förmlich aufgedrängt werden musste. Das beeindruckend weitläufige ehemalige Industriegelände der Kultfabrik, inzwischen Heimat von Eventgastro, Szeneclubs und Funsportcentern, ist die ideale Lokation für ein Event, das einen Vergleich mit den englischen PDC-Veranstaltungen nicht wird scheuen müssen. Denn das, was der von Caller und Unicorn-Repräsentant Gordon Shumway blumig angekündigte DSF–Publikumsliebling Elmar „Mr. TV“ Paulke dann dem tobenden Publikum mitteilte, sprengte die Vorstellungen der aus ganz Deutschland angereisten Fans bei weitem:

Nach Arian Lewis dem britischen Ausnahmenachwuchstalent, betrat ein Mann die Bühne, mit dem an diesem Abend nun wirklich absolut niemand gerechnet hatte: „Barney“ vom tosenden Applaus der Menge empfangen. Dart goes Kontinent und wer ist geeigneter dafür, dass wachsende Potential auf dem europäischen Festland zu vertreten wenn nicht er, Raymond van Barneveld. Diese „Verzweiflungstat“, die Einladung „Barneys“ in den Stunden des Wartens auf den Mann aus Stoke-on-Trent, war sicherlich eine der besten Ideen Werner von Moltkes.

Game on
Die erste Bühnenpartie des Tages, ein Opening der besonderen Art: Christian Eibl, Gewinner einer Startkarte, die zugunsten der Aktion „Hearts of Darts“ über Ebay versteigert wurde, tritt an gegen –Phil The Power – ein Ereignis, dass sich der sympathische, passionierte Darter nie hätte träumen lassen.

Im Round Robin folgte dann die Stunde der Wahrheit für das angereiste Feld der 128 Spieler, gut gemischt aus bekannten deutschen Dartgrößen und Mutigen aus der Breitensportszene. Nur 64 der 128 Spieler würden das KO-System erreichen. Nur diese 64 kämen an jenen Punkt, an dem man sich keinen Fehler erlauben darf. Die spannendsten Spiele wurden dabei auf der Bühne ausgetragen, abwechselnd begleitet von den beiden hervorragenden „Bühnenarbeitern“ Caller Gordon Shumway und dem „callend“ eingespringenden persönlichen Assistenten von Raymond Barneveld, Dabei kamen nicht nur die Fans von Phil „The Power“, „Barney“ und Adrian „Jackpot“ auf ihre Kosten, sondern auch jene Turnierteilnehmer, denen das Glück einen diesen hochrangigen PDC-Darter „zugespielt“ hatte.

Auf zwei Großleinwänden übertragen, wurden die Zuschauer im Saal Zeugen grandioser Leistungen, erlebten einer Phil Taylor, der mit einem Average von 106 eine wahrhaftig weltmeisterliche Leistung zeigte, einen Adrian Lewis, der seinem Ruf als größtes Nachwuchstalent vollauf gerecht wurde und einen Reymond „Barney“ van Barneveld der neben konstanter Leistung vor allem den Zugang zu einem begeisterten Publikum suchte und fand und sich damit in die Herzen der Zuschauer spielte.

Ins Finale
Unter den letzten 16 dann entbrannt ein fast schon erbitterter Kampf, vielen erfüllten Erwartungen und überraschenden Wendungen: So musste sich der von Unicorn gesponserte Andy Kröckel von Maik Langendorf geschlagen geben. Dennoch erwies sich Andy, dessen Traum, einmal gegen einen der Großen anzutreten, sich diesmal noch nicht verwirklichte, als gutgelaunter Verlierer und Entertainer, der mit seiner Tanzeinlage die Stimmung im Saal noch einmal zusätzlich anheizte. Dartsport hat eben doch auch viel mit Spaß zu tun.

Fünf Freude sollt ihr sein
As die drei PDC-Größen „The Power“, „Barney“ und „Jackpot“ den Einzug ins Finale fanden, ist wohl mehr als eine erwartete Selbstverständlichkeit. Wer jedoch waren die anderen fünf, die in diesem Viertelfinale antreten würden?

Der mehrfache deutsche Meister und E-Dart-Weltmeister Alex Köhler spielte in diesem Viertelfinale das Match seines Lebens – und verlor. Dennoch, dem 13-maligen Weltmeister Phil Taylor nicht einen, sondern zwei Legs abzunehmen, ist eine mit Ruhe und Konzentration gemeisterte Leistung, der alle Zuschauer mit tosendem Beifall Hochachtung zollten. Stephan Wusch, Weltmeister Team 501 und Weltmeister Team Cricket 2005 (Las Vegas) sowie Deutscher Mannschaftsmeister, gelang es ebenfalls, Reymond van Barneveld zwei Legs abzuringen. EDU-Spieler Miloslav Navratil, Nr. 69 der WDF, erkämpfte gegen Adrian „Jackpot“ Lewis ein Leg, ein Achtungsergebnis angesichts des unbekümmert und stark aufspielenden Ausnahmetalentes Adrian.

Mit Spannung erwartet wurde die letzte „rein deutsche“ Partie des Abends: der mehrf. Welt-, Europa- u. Dt. Meister (E-Dart), Nationalspieler Steeldart Maik Langenfeld gegen den mehrfachen deutsche Meister und E-Dart-Weltmeister Manfred Bilderl. Maik entschied zu seinen Gunsten und erspielte sich damit den Einzug ins Halbfinale und die Ehre, ebenfalls gegen Phil „The Power“ Taylor anzutreten.

Spannung bis zum Schluss
So ganz „unspannend“ war die Partie des Weltmeisters gegen den deutschen Steeldart-Nationalspieler Mauik Langendorf dann doch nicht. Im über sechs Gewinnsätze gehenden Match gelang Maik kurzfristig eine 2:1 Führung, ehe ein furios aufspielender Phil Taylor einen Gang zulegte und mit einem 6:2 ein Spielergebnis präsentierte, wie es Millionen von ihm gewohnt sind. Auch in der zweiten Halbfinale-Partie, die eher wie ein Freundschaftsspiel wirkte und deren Beginn angenehm aufgelockert wurde durch einen hinter den Kulissen von den Kameras „aufgefangen“ imaginären Boxkampf der beiden. Getragen von begeisterten Stimmung der mehr als 1200 im Saal lieferten sie sich ebenfalls ein faires 6:2. Damit stand dem großen Finale nichts mehr im Weg. Nur zwölfmal standen sich Phil „The Power“! Taylor und der erst 2006 zur PDC gewechselte Raymond „Barney“ van Barneveld bisher gegenüber. Das 13. Match. Als wessen Glückszahl würde sich die 13 erweisen?

Die mit Spannung erwartete Finalpartie über 12 Legs ließ viele Möglichkeiten offen, sogar die eines erneuten Unentschieden. In der letzten PDC-Begegnung der beiden war es genau dazu gekommen. Würde auch diesmal alles im Patt enden? Der Ausnahmespieler Phil Taylor, der jeden Tag mehrere Stunden trainiert und dabei täglich im Training einen 9-Darter wirft, hat sein Leben ebenso wie der viermalige WDf-Dartweltmeister Raymond van Barneveld dem Dartsport verschrieben.

Das Ende eines langen Tages
23.30 Uhr - ein langer Tag sollte mit einem grandiosen Finale zu Ende gehen. „The Power“ gegen „Barney“. Zuerst einmal sah alles nach einer Überraschung aus: Ein kraftvoll beginnender Raymond van Barneveld entschied das ersten Legs mit einem Average von 115,6 klar für sich. Diesen Erfolg konnte er im zweiten Leg nicht wiederholen 1:1 - 2:1 - 3:1 - 4:1 Klare Führung für Phil Taylor nach dem fünften Leg. War schon alles verloren für „Barney“? Noch einmal gab der Holländer alles und mit 4:2 und 4:3 – und einem Checkout von 135 – schien es fast so, als könne er das Blatt noch wenden. Phil Taylor aber gab sich keinesfalls geschlagen und antwortete klar, deutlich und konzentriert mit 5:3 und 6:3.

Noch aber war nicht „aller Tage Abend“ Lautstark von seinen Fans angefeuert, lieferte sich ein sympathisch agierender Raymond von Barneveld einen harten Kampf mit dem 13-maligen Weltmeister und verkürzte auf 6:4 und 6:5 . Dann das letzte Leg: im Average des Sets nur einen Hauch voneinander entfernt, Chance für Taylor 167 Rest: Triple19, Triple 20, Bullseye. Game over. Ein Klassiker. 7:5 And the Matchwinner is: Phil „The Power“ Taylor. Wieder einmal. Herzlichen Glückwunsch.

Ein verdienter Sieg für den Weltmeister, der wieder einmal seine Klasse bewies und sich in diesem wirklich langen Samstag in einem durchaus nicht nur zweitklassig besetzten Teilnehmerfeld durchsetzte, und ein Vorgeschmack auf das was alle PDC-Fans in den nächsten Wochen erwarten wird.

Ein gutes Ergebnis
An dieser Stelle dann auch ein Dank an alle jene noch nicht genannten Ausrichter und Organisatoren, Sponsoren und Dartverrückten, die irgendwo, ganz gleich in welcher „Nebenrolle“, dieses Event überhaupt erst möglich machten. So zum Beispiel an Ralf Rademacher von McDart, der mit vielen Helfern nicht nur die Turnierleitung übernahm, sondern die Veranstaltung aktiv auf vielen Ebenen mitgestaltete, an Wolfgang Zöberlein und den Dartclub Schwabing, die sich (nicht nur) um das Damen-Turnier auf der Empore, sondern auch um die vielen Kleinigkeiten rund um den Turnierbetrieb kümmerten. Dank auch an das DSF-Kamerateam, die abwechslungsreiche Bilder auf die Leinwände warfen und an die beiden Bühnenschreiber, besonders an unseren „Averall“, der diesmal vor allem durch computerschnelle Rechenergebnisse glänzte und den beiden Callern so eine gute Vorlage gab.

Danke auch an alle Turnierteilnehmer und besonders an die beiden „letzten“ Taylor-Gegner, an Viertelfinalist Alex Köhler sowie den Halbfinalisten und damit besten Deutschen im Feld, Mike Langenfeld. Beide Steel- und E-Darter in Personalunion bewiesen (wieder) einmal ihre Klasse und…. ja was eigentlich? Vielleicht, dass auch E-Darter “steeltauglich“ und die viel zitierten Unterschiede Makulatur geworden sind angesichts eines Events, das dank Moltke-Event und DSF, dank WR sportscom und dank der vielen anderem Sponsoren nun auch in Deutschland den Kneipensport zum Breitensport und damit sozusagen „salonfähig“ macht. Und das ist - in jeden Fall - ein gutes Ergebnis für den deutschen Dartsport.

15.4.06 23:59

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